ARBEIT, Arbeit, arbeiten

Wir befinden uns in einem Transformationsprozess vom Fordismus zum Postfordismus, von einem versorgenden zu einem aktivierenden Sozialstaat, zu Flexibilisierung, Deregulierung und Entsicherung. Unter unseren Füßen werden soziale Sicherungsnetze nach und nach aufgelöst, während wir darüber versuchen mobiler, flexibler, multitasking-fähiger, innovativer, kommunikativer, eigenständiger, selbstbestimmter, vernetzter, kooperativer … im Allgemeinen: OPTIMALER zu arbeiten und zu leben.

Der oder die Unternehmer_in, das sich selbst gestaltende, mitbestimmende, auf kollektive Sicherungen verzichtende und risikobereite Subjekt wird zur gesellschaftlichen Leitfigur.  Wir konkurrieren und kooperieren mit anderen, dabei geht es nicht (mehr) um den Ausgang des Sieges, sondern im Sinne einer co-competition um die Steigerung von Produktivität. Im Wettbewerb folgt keine Siegerehrung auf einen gewonnen Kampf sondern weitere Ziele, Herausforderungen und Aufgaben die nur bewältigt werden können, wenn das „Selbst-Unternehmen“ sich immer weiter optimiert. Das bedeutet, dass alle Ressourcen ausgebaut, optimiert und erweitert werden müssen um am Wettbewerb teilnehmen zu können. Freund_innen werden so zu Kolleg_innen und Netzwerken, Beziehungszeit wird zur Arbeitszeit und die Trennung von Arbeits- und privater Zeit hebt sich auf oder verschwimmt zumindest. Man trifft sich im coworking space um in angenehmer Atmosphäre und die Kenntnisse der andern nutzend weiterzukommen. Die Forderung nach Mit- und Selbstbestimmung aus den fordistischen Arbeitskämpfen wurde somit zwar im Postfordismus integriert, jedoch fehlen der Flexibilität (der flexiblen Normalität) entsprechende Sicherungen.

„Prekarität ist überall“ (Bourdieu 1997) – Prekarisierung ist zu einem zentalen Begriff in der soziologischen Zeitdiagnostik und Gesellschaftskritik geworden. Nicht nur Arbeits-Verhältnisse sondern auch spezifische Formen der Subjektivierung gehen mit ihr einher. Aber angesichts einer gesamtgesellschaftlichen Prekarisierung sind wir gerade nicht dazu verdammt „Alleine damit klar zu kommen!“, sondern steht die Debatte auch im Zeichen der Suche nach Bündnisbildung. Protestbewegungen wir die EuroMayDay Bewegung haben gezeigt, dass auch heterogene Gruppen zu großer Bewegunsgkraft fähig sind. Die Stärke kann also in einem gemeinsamen Begehren liegen, in dem Wunsch besser zu leben (und zu arbeiten).

Wie wollen wir arbeiten?

Das Ziel ist es mit unserer Forschung und Inszenierung einen anderen Blickwinkel auf das Phänomen der „Prekarisierungsgesellschaft“ zu eröffnen. Denn, um es mit dem Sozialwissenschaftler Oliver Machart zu sagen: Der „Wandel durch Prekarisierung umfasst nicht alleine das Lohnarbeitsverhältnis, sondern zieht inzwischen die meisten anderen Lebensverhältnisse in Mitleidenschaft. So wie sie eine Angelegenheit der Arbeitsbeziehungen ist, ist sie eine des Alltagslebens und der Kultur. Und so wie ihr im Kampf um soziale Rechte zu begegnen ist, so ist ihr auch im Kampf um Subjektivierungsweisen, Vorstellungswelten und Lebensformen zu begegnen. Daraus ergibt sich, dass Prekarität keine ökonomische Verhängnislogik darstellt, (…), sondern, da politisch handlungsgetrieben, auch neue politische Handlungsperspektiven eröffnet, die unter fordistischen Bedingungen so nicht denkbar gewesen wären.“

Das Projekt richtet sich an gesellschaftliche Themen des Alltags und verhandelt diese mit ästhetischen Mitteln. Es ist generations- und schichtenübergreifend konzipiert. Es verfolgt die Ziele, (a) Anreger und Impulsgeber für einen erweiterten öffentlichen Diskurs im lokalen Raum zu sein, (b) künstlerisch-politisch die Gestaltung des In-Einanders von Leben und Arbeiten zu erforschen und (c) über die Zusammenarbeit mit Unternehmen und lokalen öffentlichen Institutionen einen Beitrag zu leisten zur Frage „Wie wollen wir arbeiten?“.