BLOG_2 #arbeitsräume

29.04.2016 – von unterwegs, Zwischenstopp in Frankfurt (a.M.)

Ich sitze gerade in einem dieser modernen Arbeitsräume in Frankfurt: offen zugänglich, mobil, flexibel, und shared. Ein Café/Restaurant/Bar, das freies WLAN anbietet, organische, fairgetraidete Gerichte und Getränke, unterschiedlich große Tische, bunte Stühle, Barhocker im industrial Style an Tresen am Fenster mit Blick auf die sonnige Straße, ein gemütliches Sofa, kleine Nischen, Steckdosen und happy-life-feel-good Musik, die fast schon ein bisschen zu laut ist.

Hier entsteht das Gefühl von Urlaub, von Freizeit und doch arbeite ich hier. Aber genau darum geht es: Hier soll sich die Arbeitende locker und gut fühlen. Der Ort suggeriert mir: Du machst etwas Gutes: Während du arbeitest, zum Beispiel rettest du die Umwelt – so guckt mich ein Aushang mit dem Titel #ThinkGlobalActLocal an – ja, mache ich. #RespectOurEarthAndEnvironment – ja, mache ich. #FreshAndHomeMade – ja, bin ich.

Während ich hier arbeitete, geht es mir gut. Während ich hier arbeite bin ich mitten im Leben, muss nichts verpassen. Während ich hier frisch-föhlich sitze, mich durch verschiedenen Dateien klicke, E-mails checke und versende, Texte aufsetze und To-Do-Listen-listings abarbeite, bin ich postfordistisch , the employable man á la carte.

Überall auf meinen Wegen durch Deutschland begegnen mir ähnliche Läden wie dieser, in dem ich mich vor knapp 3 Stunden eingenistet habe … beinahe wollte ich zwischendurch die Schuhe ausziehen um es mir auf dem Sofa noch bequemer zu machen, aber das würde vermutlich zu weit gehen.

Auf dem Weg zur Toilette, die mir alles bietet, was ich brauchen könnte: Deo, Haargel, Tampons… gucken mich motivierende Plakate an, voll im Trend, voll in der Zeit, absolut postfordistisch, absolut werbewirksam: „Build your own dreams, or someone else will hire you to build theirs.“ oder „Ich habe nun zwei Wochen Diät gemacht und alles, was ich verloren habe sind 14 Tage“. Wie wahr.

Feel free to work,“ hat mir der Laden schon im vorbeigehen ins Ohr gerufen und klar, die 5 Stunden, die ich hier in Frankfurt verbringe, auf meine Frau warte um mit ihr gemeinsam in ein privates Wochenende zu starten, die will ich natürlich sinnvoll nutzen, ohne mich dabei in eine dunkle Arbeitskammer zurückziehen zu müssen. Und natürlich: will ich, dass die Menschen sehen, wie ich hier in die Tasten haue und dabei so locker flockig mal eben die Börse bestreite, hundert Anträge stelle, wichtige Dinge tue und dabei auch noch gelassen und gut aussehe. Und das können die Menschen, mich sehen. Durch die riesige Fensterfront haben sie einen perfekten Blick auf mich, mit meinem Lattemacciato, zu dem sich im Laufe der Zeit noch eine (super gesunde, regionale, biologisch angebaute und abgebaute) Suppe oder ein Salat gesellen wird, meinem Laptop, mit seinem modischen Aufkleber, der dezent verschleiern soll, dass es sich eigentlich nicht um einen dieser Äpfel handelt und meiner schicken Sonnenbrille, die ich lässig auf den kleinen Tisch vor mir gelegt habe.

I am the man [or woman] of today“ – total postfordistisch, total kreativ, total selbstbestimmt, total fit, gesund, nachhaltig und erfolgreich.

Come and see me at Kaiserstraße Frankfurt (a.M.) I’ll tell you when I’m here for the next time. >Eure Marielle< #FreitagmittagUndNachmittagPostfordistischWorkinginCaféFrankfurt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.