BLOG_4 #vonmenschenundnetzwerken

27.05.2016 – aus der Uni.

#inascapablefriendships #affectivework #afterworkdrinks #networking

Wie einige von euch vielleicht wissen, studiere ich seit April im zweiten Semester Theaterwissenschaft an der Freie Universität Berlin. Ich lese und diskutiere nun also drei Tage die Woche diverse Texte und Gedanken anderer, um mir dann anschließend meine ganz eine Meinung zu bilden, mich dadurch zu bilden und meine eigenen Ideen und Gedanken damit anzureichern. Ich dünge mich sozusagen. Ich dünge meinen Gehirn (leider weniger meinen Körper), ich fordere mich heraus. Mein Kopf soll mal wieder (intellektuelle) Höchstleistung vollbringen… um dieses Phänomen der Optimierung soll es aber jetzt gar nicht gehen, diese Beschreibung diente mehr als Einführung.

Also nochmal: Wie einige von euch vielleicht wissen, studiere ich seit April. Und im Zuge der Lektüre für die Uni kam mir folgender Textausschnitt unter die Nase, der wie ich finde einen interessante Begriff benennt, der durchaus zur Debatte in und um den Arbeitswandel im Postfordismus gehört: affective work und inescapable friendships. „(…) from the smiley faces of office email to the team-building exercises of after work drinks – which defines the landscape of affective labor in the information economy. This incitement to friendship papers over the grim competitiveness of the job market, blurring the lines between “friend”, “colleague” and “contact”. “ (p.24, The Affective Theory Reader , ed. Gregg, Melissa and Seigworth, Gregory J. – 2010, Durham & London, Duke University Press). Die Landschaft der „affektiven Arbeit“ ist sozusagen die von „inescapable friendships“

„Wie positionieren Sie sich in diesem Bezug?“, würde meine Professorin des zugehörigen Seminars vermutlich an dieser Stelle fragen. „Ich stecke da durchaus auch ganz tief drin.“, würde ich antworten. „Und manchmal, muss ich sagen, da kommt es mir tatsächlich so vor, als gäbe es kein Entkommen! – Vor dem ständigen Netzwerken, dem nett Lächeln, Hände schütteln, Wein und Cola und Bier trinken und Rauchen und Häppchen Essen und Visitenkarten austauschen (die ich noch immer nicht habe) und E-Mail Adressen auf kleine Zettel schreiben und nett Lächeln und Aufmerksamkeit erregen ohne auffällig zu sein und aufmerksam zu sein und zu nicken und lächeln und am richtigen Ort sein und zur richtigen Zeit sein und nicht zu spät kommen, aber sich auch manchmal rar machen und verfügbar wirken und interessiert und (viel zu) beschäftigt wirken und nett lächeln und manchmal auch einfach nur nett dastehen und nichts sagen und angesprochen werden und sich am Gespräch beteiligen und mit der künstlerischen Arbeit überzeugen und die eigene Kunst für sich sprechen lassen und auf Kontakte dezent hinweisen und auf Wissen und Erfahrung unauffällig aufmerksam machen und zum richtigen Zeitpunkt die Veranstaltung verlassen … und das alles, damit sie sich eines Tages an dein hübsches Gesicht, deinen freundlichen Namen und die zwei schlauen, interessanten, anregenden, begeisterten, zukunftsfähigen Worte erinnern, die du gesagt hast, dich googeln, deine Nummer herausfinden oder deine E-Mail Adresse oder dich persönlich ansprechen beim nächsten Event auf dem du bist und sagen: „Marielle, hättest du nicht Lust …“ – wisst ihr was? „-Ja, hab ich, verdammt nochmal!“.“

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