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31.08.2016 – auf dem Fahrrad und am Schreibtisch in Lingen

#EIGENTLICHteileins

Kolleg*innen, die – wie ich – auch theaterpädagogisch tätig sind (oder aus anderen Gründen Workshops in Schulkontexten geben) kennen sicherlich das Folgende aus eigener Erfahrung gut: Gerade jugendliche Schüler*innen sind wahnsinnig engagiert, hoch motiviert und mit vollem Einsatz dabei, wenn es darum geht ALLES ANDERE zu tun als das, was eigentlich getan werden sollte.

Im letzten Monat, beziehungsweise seit Ende meiner Vorlesungszeit (Mitte Juli), habe ich bewiesen, dass ich diese herausragende Fähigkeit auch besitze und sie bis ins Detail perfektioniert.

Ich habe in den letzten Wochen unheimlich viel getan und tue es noch: Ich habe zwei Mützen genäht und zwei T-Shirts, ich habe vier Socken gestrickt und einen halben Pullover, ich fahre jeden Tag mindestens 15km Fahrrad, ich jogge ein bis zweimal alle drei Wochen, jeden Freitag fahre ich insgesamt 2h15min Fahrrad und unterrichte vier Kindergruppen in kreativem Tanz, ich habe für die Wohnung neue Möbelstücke entworfen: vier Schubladen, die unter das Bett kommen, flexible Regal-Würfel für das Wohnzimmer und eine Klapp-mit-Schubladen-Rollbox für Büromaterial, ich habe Blumen im Internet angeguckt, die ich in eine Palettenkonstruktion einpflanzen werde, wenn diese fertig gebaut ist, ich habe einen multifunktionalen Sofatisch gebaut, ich bin Pinterest beigetreten, ich habe etwa 5 neue Rezepte aus dem Internet ausprobiert, mit Freundinnen telefoniert, Freundinnen besucht, also meine sozialen Privatkontakte gepflegt, ich rufe meine Mutter und meinen Vater öfter an als sonst, ich habe alle möglichen neuen Serien angefangen zu gucken, ich habe drei (Fach-)Bücher angefangen zu lesen und weitere im Internet gesucht, die ich unbedingt bald lesen will, ich habe das Wohnzimmer aufgeräumt (täglich), Wäsche gewaschen (alle drei/vier Tage), ich habe endlich die letzten alten, nicht-mehr-zu-gebrauchenden Umzugskartons zerkleinert und am letzten Freitag kamen sie in die Altpapiertonne, um zu wissen wann die Tonne wieder leer ist habe ich mir den Abfuhrkalender des Stadtteils ausgedruckt und an die Pinnwand gehängt, ich habe Geburtstagsgrüße versendet aus selbst gebastelten Karten, ich denke jeden Tag mehrmals daran das Bad zu putzen (und verschiebe es dann immer auf morgen), ich habe fünf neue Projekte theoretisch entworfen und quasi (im Kopf) schon die Projektanträge dazu formuliert, ich habe stundenlang neue Residenzprogramme für junge Künstler*innen im Internet gesucht, ich habe einen Teil der Küche gestrichen, ich habe Blumen umgetopft, an Texten für ein neues Stück weitergeschrieben, mir Gedanken zur Zukunft gemacht, Finanzpläne für die nächsten sechs Monate erstellt, eine Projektplanung weitergeführt für ein Projekt, das im September weitergeht, ich fahre alle zwei/drei Tage einkaufen und bringe dabei Leergut weg, ich bringe den Müll runter und tausche die Handtücher im Bad aus, ich habe die Bettwäsche regelmäßig gewechselt und zwei Ideen für ein neues Kinderstück aufgeschrieben, ich habe drei Seiten Notizen für eine nächste Lecture Performance zum Thema Arbeit festgehalten, Produktionsfotos der letzten sechs Jahre durchgesehen und Favoriten ausgewählt, die ich entwickeln lassen will, um sie mir an die Wand zu hängen, ich habe Kisten voller Papierkram und Akten aussortiert, sodass von den vorher zwölf nur noch die Hälfte übrig ist, ich habe Grießbrei so oft gekocht, dass ich es mittlerweile ohne Rezept kann, ebenso Waffeln (mit Quark und Eischnee) …. ihr seht also, ich war verdammt aktiv, engagiert und mit Einsatz dabei!!!

Nur EIGENTLICH … muss ich gerade drei Hausarbeiten für die Uni schreiben … ja, EIGENTLICH …

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